re:publica 2026: Digitale Souveränität und »Ganz normale Medien«

Totale von Stage 1 bei der re:publica 2026

Zum ersten Mal durfte ich dieses Jahr bei der Berliner re:publica, Europas größter Konferenz zur digitalen Gesellschaft, auf Stage 1 vortragen. Gemeinsam mit der Kommunikationswissenschaftlerin Nadia Zaboura habe ich zum Thema “Ganz normale Medien und ihr Beitrag zum Comeback des Faschismus” gesprochen. Aus der Ankündigung des Vortrags:

Das ist keine Übung. Der Vormarsch neofaschistischer Ideen und Parteien ist real. Ermöglicht und mitbefeuert hat diesen Vormarsch ganz normaler Journalismus in ganz normalen Medien – mit vermeintlich neutralem Blick und falscher Objektivität.

Autoritäre und neofaschistische Kräfte profitieren weltweit von einer Doppelstrategie: Einerseits setzen sie seit Jahren auf neue Digitalplattformen, um Menschen direkt zu erreichen – und profitieren dort von deren Algorithmen. Andererseits profitieren sie aber auch von ganz normalem Journalismus in ganz normalen Medien und deren “Algorithmen”: falsche Ausgewogenheit, falsche Gleichsetzung, falsche Dilemmata, Doppelstandards, Mikrofonständerjournalismus und viele weitere Standardsituationen des Medienversagens mehr.

Entscheidend ist dabei, dass diese nicht Ausnahme- sondern Regelfall von normalem, sich als möglichst ‘neutral’ oder ‘objektiv’ verstehendem Journalismus sind. Es ist nicht nur der ‘Boulevard’, es sind nicht nur Axel-Springer- und Newscorp-Medien. Sondern es sind dominante Medienlogiken bis tief hinein in den Qualitätsjournalismus, die sie zu hilflosen Helfern und damit aktiven Ermöglichern neofaschistischer Kommunikationsstrategien und Raumnahme machen.

Die zentrale Ableitung unseres Vortrags: Journalism-as-usual muss enden. Medien ohne klare, antifaschistische Ausrichtung sind Teil des Problems und nicht der Lösung.

Außerdem habe ich mit Dirk Schrödter, Chef der Staatskanzlei & Minister für Digitalisierung und Medienpolitik des Landes Schleswig-Holstein, ein Podiumsgespräch zum Thema “Bye-bye Big Tech: Schleswig-Holsteins Ausbruch in die digitale Souveränität” geführt. Auch hier ist die Aufzeichnung bereits verfügbar.

Schließlich habe ich noch gemeinsam mit Beate Bäumer, Rundfunkrätin im NDR, ein Treffen für Mitglieder öffentlich-rechtlicher Aufsichtsgremien organisiert, um Beispiele für Good-Gremien-Practice auszutauschen – und durfte gemeinsam mit re:publica-Mitgründer Andreas Gebhart noch einmal die frohe Kunde von der ersten re:publica Vienna von 2.-3. Oktober 2026 verkünden. Der Call for Participation dafür startet am 27. Mai, wir freuen uns auf viele Einreichungen.

4 thoughts on “re:publica 2026: Digitale Souveränität und »Ganz normale Medien«

  1. @osconjunction.net

    „…ein Podiumsgespräch zum Thema “Bye-bye Big Tech: Schleswig-Holsteins Ausbruch in die digitale Souveränität” geführt. Auch hier ist die Aufzeichnung bereits verfügbar.“

    Es folgt ein Link zu YouTube.
    Genau mein Humor.

    #bigtech #digitalesouveranitat #peertube

    Like

  2. @osconjunction.net Ich fand den Vortrag sehr gut und gerade in Verbindung mit Tilo Jungs Vortrag über Doppelstandards, dem radikal hoffnungsvollen Vortrag von Maren Urner und dem Abschlussvortrag von Arne Semsrott zum Thema Gegenmacht (Zivilgesellschaft), dürfte das allen neue Energie für die kommende Zeit gegeben haben.

    (Manchmal hat man ja schon Zweifel, ob man nur alleine gewisse Entwicklungen beobachtet. 🤷‍♂️)

    Vielen Dank für die tolle Aufklärungsarbeit! 🙂

    Like

Leave a comment