Neuer APuZ-Artikel: “Objektivität in Anführungszeichen: über Wissenschaft und Aktivismus”

Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ) ist, so Wikipedia, “eine seit 1953 erscheinende Beilage der deutschen Wochenzeitung “Das Parlament”. Trotz der ungewöhnlichen Veröffentlichungsform zählt sie zu den wichtigsten deutschsprachigen Fachzeitschriften für Politikwissenschaft.” Umso erfreulicher ist, dass ich dort in der aktuellen Ausgabe einen Beitrag zum Verhältnis von Aktivismus, Wissenschaft und Journalismus beisteuern durfte. Auszug daraus:

Für die Lösung von Glaubwürdigkeitsproblemen in Wissenschaft und Journalismus gilt dasselbe, hier sind beide aufeinander angewiesen. Im Rahmen einer wissenschaftlichen Fachdebatte lassen sich Glaubwürdigkeitsdefizite in der Bevölkerung nicht beheben. Dafür braucht es öffentliche Auseinandersetzungen jenseits wissenschaftlicher Gemeinschaften, die maßgeblich von Journalist:innen mitgestaltet werden. Die Rolle der Soziologie könnte in diesem Kontext zusätzlich die Analyse der Metaebene im Luhmann’schen Sinne von Beobachtungen zweiter Ordnung sein. Bis zu einem gewissen Grad tut das auch dieser Text, indem er hinterfragt, was Aktivismusvorwürfe eigentlich bedeuten und ob sie nicht vielleicht sogar Teil des Problems sind, das sie kritisieren.

Der Beitrag ist Open Access online und als PDF (gesamte Ausgabe) verfügbar. Check it out!

New Article in the Journal Leadership: “A ‘leaderless’ social movement?”

In a just-published (online first) article for the journal Leadership, my co-author Martina Kohlberger and I applied a communication as constitutive of organizing (CCO) perspective in a case study to examine Twitter’s influence on the leadership dynamics in the 2019 Hong Kong Protests. We argue that Twitter is a powerful nonhuman leadership actor by demonstrating how it coordinates a plenum of co-participating agencies to construct meaningful narratives. In addition, we show that while many social movements call themselves leaderless, because of Twitter’s co-participation, they are not leadership-less. Using digital methods, we first harvested movement-relevant tweets based on hashtags and retweet counts from a key event of the protests, and then analysed the video content of the three most-retweeted tweets. Our analysis shows that Twitter’s various mechanisms dictate how online conversations unfold and that Twitter, therefore, influences how “authoritative text” is established. Our study contributes to the literature in three ways. First, we contribute to critical leadership studies by showing that Twitter is a leadership actor that enacts sociomaterial leadership, which further challenges the dominant human-centric and masculine views of leadership. In doing so, we reveal that the persistent leaderless movement narrative is a fantasy. Second, by illustrating how Twitter’s authorship mechanisms generate authority and polarity, we contribute to a stream of CCO studies showing that platforms influence power dynamics. Third, by attending to multivocality and dissensus, where a myriad of voices could speak up against the established and perceived injustice, we assert that Twitter as a leadership actor dictates specific modes of communication with performative effects.

You can find the full-length article here: https://t.co/YMKNwhDE1g

Job: Projektmitarbeit am Institut für Erziehungswissenschaft

Prof. Barbara Herzog-Punzenberger vom Institut für Erziehungswissenschaft sucht kurzfristig ein:e Projektmitarbeiter:in: Studierende, die sich mit Fragen der Migration, Mehrsprachigkeit und Ungleichheit beschäftigen (wollen), Interesse an deskriptiver Statistik und entsprechende Lehrveranstaltungen absolviert haben, einige Übung im Erstellen von Tabellen und zugehöriger Grafiken in Excel aufweisen, dabei sehr genau und verlässlich sind, Deadlines einhalten, eine schnelle Auffassungsgabe haben und teamfähig sind, können sich ab sofort melden, wenn sie bis Ende August einen Arbeitsauftrag im ungefähren Stundenumfang eines Vollzeitmonats für € 2.200,– erledigen und dabei Einblick in einen der hochwertigsten Datensätze im Bildungsbereich bekommen wollen.

Senden Sie Ihre aussagekräftige Bewerbung umgehend an barbara.herzog-punzenberger@uibk.ac.at.

Neuer Buchbeitrag: »Schöne Neue Digitale Organisationswelt – Offen für Diversität oder Exklusion durch Offenheit?«

(Foto: Tim Mossholder)

Bereits vor einiger Zeit durfte ich im Rahmen der traditionsreichen Innsbrucker Gender Lectures einen Vortrag halten, auf dessen Basis nun ein Buchbeitrag mit dem Titel “Schöne Neue Digitale Organisationswelt: Offen für Diversität oder Exklusion durch Offenheit?” erschienen ist. In dem Beitrag führe ich zur Erklärung von Diversitätsdefiziten in offenen Organisationskontexten (siehe dazu auch den kürzlich erschienen KZfSS-Artikel) die Unterscheidung zwischen importierten und kreierten Diversitätsdefiziten ein. Aus dem Fazit:

Explizit als offen markierte Organisationsformen und -prozesse, wie sie in immer mehr Bereichen wie Softwareentwicklung, Strategiefindung oder Verwaltungskontexten propagiert werden, führen nicht automatisch zum Abbau von Diversitätsdefiziten in diesen Bereichen. Im Gegenteil, gerade ein besonders starkes Betonen organisationaler Offenheit oder besonders radikale Offenheitsregimes, die formal alle Interessierten zur Beteiligung einladen, können im Sinne einer Non-Performativität von Offenheitsrhetorik zu mangelnder Reflexion von real existierenden Diversitätsdefiziten führen. Die Diversitätsdefizite in formal offenen Organisationskontexten resultieren dabei einerseits aus dem Import gesellschaftlicher Ungleichheitsverhältnisse und werden andererseits durch (zu) offene Organisationsstrukturen kreiert, zum Beispiel indem exkludierendes Verhalten einzelner Beitragender nicht wirksam eingedämmt wird bzw. werden kann.

Der ganze, von Kordula Schnegg, Julia Tschuggnall, Caroline Voithofer und Manfred Auer herausgegebene, Band “Inter- und multidisziplinäre Perspektiven der Geschlechterforschung” ist open access bei Innsbruck University Press verfügbar.

PhD Position in the area of Management Control at the Department of Organization and Learning

There is currently an open PhD position at the Department of Organization and Learning. The position is in the area of management control (Supervisor: Professor Martin Messner). It addresses potential candidates with an interest in empirical research in topics such as corporate planning, performance measurement, data analytics and digital transformation, corporate governance, or sustainability control. Candidates should be close to finishing their master’s degree and ideally be able to start the position in autumn/winter 2022.

Application deadline is June 21, 2022. For more information on how to apply, please see: https://lfuonline.uibk.ac.at/public/karriereportal.details?asg_id_in=12684

Neuer KZfSS-Artikel: “Wie offen sind ‘offene’ Online-Gemeinschaften? Inklusion, Exklusion und die Ambivalenz von Schließungen”

“Wie offen sind ‘offene’ Online-Gemeinschaften?” fragen meine Schwester Laura und ich in unserem kürzlich in der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie veröffentlichten Artikel. Selbst kommerzielle Plattformen wie Facebook, Twitter oder YouTube sind, verglichen mit traditionellen Medien, offen, weil sie Filterlogiken traditioneller Medien zumindest partiell umkehren. Sie ermöglichen verschiedenen Formen von Gemeinschaftsbildung. Manche dieser Gemeinschaften setzen bewusst auf Exklusivität (z.B. geschlossene FB-Gruppen), andere setzen auf mehr oder weniger stark offenheitsorientierte Zugangsregeln, verschreiben sich also einer Offenheitsprogrammatik (z.B. im Kontext von Open Source, Open Strategy oder Open Data).

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Panel beim Journalismusfest Innsbruck: “Blogs, Wikis & Co – Zwischen journalistischer Prekarität und Glaubwürdigkeit”

Von 13. bis 15. Mai 2022 findet das Journalismusfest Innsbruck statt und ich freue mich außerordentlich, ein Panel gemeinsam mit Markus Beckedahl, Gründer und langjähriger Chefredakteur des Blogs netzpolitik.org, sowie Claudia Garád, Geschäftsführerin von Wikimedia Österreich, moderieren zu dürfen. Aus der Ankündigung:

Blogs, Wikis oder Videoportale wie YouTube oder TikTok übernehmen mittlerweile journalistische Funktionen und definieren diese teils neu. Der Blog netzpolitik.org etwa publiziert immer wieder tiefergehende Recherchen. Wikipedia bringt auch zu strittigen Themen aktuelle und oft quellenkritisch geprüfte Informationen. Trotzdem bleibt der journalistische Charakter von Blogs, Wikis und Co. prekär. Gleichzeitig zögern traditionelle journalistische Angebote bei der Übernahme von Praktiken wie etwa der Veröffentlichung oder Verlinkung von Quellen.

Das Panel steigt am Freitag, 14. Mai, um 17 Uhr im Haus der Musik. Schaut vorbei!

Tagung: »Geben und Schenken: Gabenökonomie im Horizont der Digitalisierung« [Update]

Nach einer hybrid veranstalteten Vorkonferenz im April 2021 darf ich am 18. März wieder gemeinsam mit Felix Stalder und Jasmin Schreyer im Rahmen einer Tagung zu “Gabenökonomie im Horizont der Digitalisierung” zu Thema “Praktiken des Gebens und Teilens in der digitalen Ökonomie” diskutieren. Aus der Ankündigung der Tagung:

»Open source«, »file-sharing«, »crowdfunding«, »peer production« – die Welt der digitalen Kommunikation ist voller Wirtschaftspraktiken, die dem Geben und Schenken näher sind als dem Marktkauf. Im Horizont der Digitalisierung wird eine Wirtschaftswissenschaft notwendig, die, um mögliche Entwicklungen einer global vernetzten Kooperationsgesellschaft zu reflektieren, das Paradigma der endlos unabgeschlossenen Gabe zwischen miteinander verbundenen Personen gelten lässt.

Tagung ist hybrid und kann hier im Livestream via Zoom verfolgt werden.

[Update, March 3, 2022] A brief summary of my remarks can be found over at the Governance Across Borders blog. [/Update]

Montagsfrühstück im Literaturhaus zum Thema “Infodemie: Wissen, Glauben, Denken, Schreiben”

Literaturhaus am Inn (Foto: Luftschiffhafen, CC BY-SA 4.0, Bearbeitung: Leonhard Dobusch)

Am Montag, 25. April 2022, darf ich ab 9:00 Uhr im Literaturhaus am Inn, Josef-Hirn-Str. 5, mit der Schriftstellerin Andrea Winkler das traditionelle Montagsfrühstück bestreiten. Aus der Ankündigung zur Veranstaltung:

Die Corona-Pandemie macht einmal mehr deutlich, dass unsere Gesellschaft tief in einer so genannten „Infodemie“ steckt. Aufgrund einer Flut an Falschinformationen und Fake-News, die sich vor allem in den sozialen Medien rasant verbreiten, verlieren komplexe und wissenschaftlich belegte Fakten an Glaubwürdigkeit. Was ist objektiv, was ist subjektiv? Was Wissen, was Glauben? In diesem Montagsfrühstück sollen unter anderem Wege und Mittel diskutiert werden, wie das Vertrauen in die Wissenschaften zurückgewonnen werden kann, aber auch, welche Konsequenzen dies für Autorschaft und für das literarische Schreiben hat.

Eintritt ist frei, Anmeldung beim Veranstalter ist bis 25.04.22 erforderlich.