Rückblick und Ausblick: Die lohnenswerten Zumutungen des Momentum-Kongresses

Von 18.-21. Oktober trafen sich in Hallstatt wieder rund 250 Menschen aus Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft beim alljährlichen Momentum-Kongress um über sozialen Fortschritt zu diskutieren. Die Eröffnung habe ich dabei zum Anlass genommen, mich für die Zumutungen zu entschuldigen, die mit einer Momentum-Teilnahme verbunden sind. Gleichzeitig habe ich aber versucht zu erklären, warum es genau diese Zumutungen sind, die Momentum so lohnenswert machen. Der Call für Momentum 2019 mit dem Generalthema “Widerspruch” von 10.-13. Oktober ist bereits online verfügbar. Im folgenden die Notizen zu meinen Eröffnungsworten beim diesjährigen Kongress:

Ich möchte zum Beginn diese 11. Momentum-Kongresses damit beginnen, mich bei Ihnen und Euch allen zu Entschuldigen. Zu entschuldigen, für all die Zumutungen, die eine Momentum-Teilnahme für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit sich bringt. Wir glauben aber, dass diese Zumutungen notwendig für einen erfolgreichen Momentum-Kongress sind, und das möchte ich, vor allem für die erfreulich vielen, die dieses Jahr zum ersten Mal mit dabei sind, kurz erklären.

Das beginnt mit der Zumutung einer unglaublich weiten und bisweilen beschwerlichen Anreise, egal woher jemand kommt. Bis zu einem gewissen Grad ist das schon wieder egalitär. Der Grund, Momentum in Hallstatt zu machen, ist nicht nur die Kulisse und dass wir “Weltkulturerbeort” in den Flyer schreiben können – wobei wir das schon geil finden. Nein, es geht darum, den Moment einer echten “Auszeit” zu schaffen. Damit Momentum kein ständiges Kommen und Gehen, kein Fly-in-fly-out ist. Und weil die räumliche Distanz zum Alltag und Alltäglichen dann vielleicht auch hilft, sich gedanklich freier zu machen.

Dann gibt es die Zumutung, dass prinzipiell jede und jeder Teilnehmende einen eigenen, schriftlichen Beitrag verfassen muss. Und gerade für alle außerhalb der Wissenschaft, bei denen das Verfassen von Aufsätzen eben gerade nicht zentraler Teil ihrer Tätigkeit ist, ist das eine besondere Zumutung. Gleichzeitig ist genau das aber die Voraussetzung dafür, dass alle einen eigenen Beitrag haben und somit bis zu einem gewissen Grad auf Augenhöhe miteinander diskutieren. Es gibt eben kein kleines Podium mit vielen Zuhörenden, sondern alle sind gleichermaßen Beitragende, alle hören mehr zu als sie sprechen.

Wenn wir bei den Tracks sind, dann ist damit schon die nächste Zumutung verbunden. Wir haben über 130 Einreichungen erhalten, knapp 100 spannende Beiträge gibt es und wenn man durch das großartig gestaltete Programmheft blättert, dann bekommt man natürlich Lust darauf, sich auch in anderen Tracks etwas anzuhören. Insofern ist es eine Zumutung, wenn wir darauf insistieren, dass alle in ihren eigenen Tracks bleiben und Track-Hopping verpönt ist. Genau das erlaubt aber wiederum einen Diskussionszusammenhang über die einzelnen Beiträge hinweg. Und oft ist es auch so, dass Beiträge, deren Titel auf den ersten Blick gar nicht besonders spannend klingt, sich als besonders interessant herausstellen.

Schließlich zeichnet sich Momentum noch durch eine weitere Zumutung aus, und zwar jene der Zweckfreiheit, zumindest was die Diskussionen betrifft. Natürlich hoffen wir, dass alle die Teilnahme an Momentum als inhaltlich bereichernd erleben und viele neue Bekanntschaften machen. Und natürlich hoffen wir, dass der Kongress dazu hilft, ein Momentum, eine Eigendynamik für progressive Ideen anzustoßen. Aber abgesehen davon geht es in den Tracks nicht darum, sich auf irgendetwas zu einigen, geht es nicht um unmittelbare Verwertbarkeit oder konzertierte Aktionen. Genau diese Zumutung der Zweckfreiheit ist aber die Voraussetzung, um jenseits von eingefahrenen Bahnen und Verwertungslogiken in Alternativen zu denken.

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