Ö1-Radiokolleg zum Thema “Unser Geld: Wie umgehen mit Schulden?”

Das Ö1-Radiokolleg dreht sich diese Woche um das Thema “Unser Geld: Wie umgehen mit Schulden?”. In der zweiten Folge durfte ich vergleichsweise ausführlich über (unvermeidbare) Sozialisierung von Verlusten bei Insolvenzen sowie die verzögerte Wirkung von Leitzinserhöhungen für Unternehmenspleiten sprechen. Einer von mehreren O-Tönen:

“Es wird eine Zeit dauern, bis die bereits erfolgten Zinserhöhungen sich auch auswirken, weil die Unternehmen ja auch längere Laufzeiten bei ihren Krediten haben und das ganze erst dann schlagend wird, wenn der Kredit ausläuft und refinanziert werden muss, und dann auf einmal die höheren Zinskosten aber nicht unbedingt mit höheren Einnahmen korrespondieren. Das ist auch der Grund, warum man hier auch Kaskaden von Insolvenzen sehen könnte, zum Beispiel im Bereich der Immobilienwirtschaft. Warum? Wir erleben derzeit, dass im Handel, als Spätfolge von Corona, aber auch durch den allgemeinen Strukturwandel hin zum Online-Handel, diese enorm hohen Mieten, die im Bereich von guten Lagen verlangt werden, einfach für Handelsunternehmen nicht mehr refinanzierbar sind. Das bedeutet, wir sehen hier Pleiten von Handelsunternehmen oder auch nur einen Rückzug aus bestimmten Lagen, und das wird dazu führen, dass in den nächsten zwei, drei Jahren, Immobilienbesitzer vor dem Problem stehen werden, dass sie keine Nachmieter finden, die ihre Mieten in den gewünschten Höhen erzielen. Was aber dann wiederum bedeutet, dass die Mieten sinken. Und wenn die Mieten sinken, lässt sich die Bewertung von Immobilien nicht mehr aufrecht erhalten. Was bedeutet, meine Immobilie wird weniger wert. Der Kredit geht aber nicht weg, der verschwindet nicht. Und wenn ich diesen Immobilienkredit dann refinanzieren muss, meine Immobilie aber weniger wert ist, als zuvor, dann wird das nicht mehr funktionieren. Und dann führen quasi die Handelspleiten zu Beginn zu Immobilienpleiten im nächsten Schritt.”

Die ganze Folge ist noch eine Woche zum Nachhören online. (Archiv-Downloadlink)

Call for Abstracts: “Open Strategy: Taking stock and moving forward”

Source: Viktor Forgacs via unsplash.com

University of Zurich and Oxford University’s Said Business school host a joint workshop that “aims to bring together Open Strategy scholars and practitioners to discuss ongoing and future research projects”. The workshop is scheduled for July 1-2, 2024, right before the EGOS Colloquium in Milano that year and will be located at University of Zurich.

Participation requires the submission of extended abstracts (2,000 words) by January 25, 2024 to os@business.uzh.ch.

For more information on the workshop check out the website.

Unconferencing SAP and Beyond: Impressions of the First Barcamp at the AoM Annual Meeting

Currently, the Academy of Management (AoM) hosts its Annual Meeting in Boston. The meeting is mainly organized along various Divisions and Interest Groups and follows fairly standard conference formats such as paper sessions, panels (“Symposiums”) and round table sessions. In all of these sessions, topics, speakers and facilitators are defined in advance, establishing a clear hierarchy between session organizers and speakers on the one hand, and the audience on the other hand.

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New Article in Organization Theory: »Taking Individual Choices Seriously: A process perspective of self-selection in strategy work«

I am very glad to announce that the article “Taking Individual Choices Seriously: A process perspective of self-selection in strategy work”, co-authored by Martin Friesl, Martin Brielmaier and myself, has been accepted for publication at Organization Theory and is already available online. Particularly the growing interest in open approaches to strategy, which at least formally invite broad audiences to participate in organizational strategy-making, was one of the reasons for writing this paper. Not just because an invitation to participate cannot hardly intrinsic motivation to actually contribute but also because inviting everyone does not guarantee that you will actually arrive at a more diverse and inclusive bunch of people (see also Dobusch et al., 2019). The abstract reads as follows:

An increasing body of work investigates the participation of a diverse set of actors in strategy making. We argue that extant research tends to gloss over a fundamental condition underpinning such participation: while participation may reflect a hierarchical mandate, insofar as it relates to the actual involvement of employees, it is the result of a process of self-selection. From this perspective, forms of participative strategizing are neither fully the outcome of deliberate top-down choice, nor do they form a random pattern that is subject to the whims of individual employees. Such forms of strategizing are rather, as we argue in this paper, based on an endogenous logic of whether and how an individual self-selects, and in turn involves her/himself in the process, or not. To conceptualize the broader phenomenon of strategy participation, we draw on practice theory to conceptualize how individuals knowingly choose to involve themselves in strategizing events and we develop in turn a process model of self-selection as an ongoing social accomplishment. This model elaborates different patterns of participation in strategy making (stabilizing and shifting trajectories) with variable emergent outcomes. We end the paper by discussing the implications of our theorizing for ongoing research on open and participatory strategizing, and for the body of work on strategy as practice.

The paper is open access available at Organization Theory. Summary threads ft. #1paper1meme can be found over at Mastodon and Twitter.

Re:publica 2023: Rundfunkbeitragsdebatte und Predictive Risk Analysis entlang von Lieferketten

Die jährlich in Berlin stattfindende re:publica ist wahrscheinlich eine der spannendsten und inklusivsten Digitalkonferenzen und für mich jedes Jahr ein Highlight in meinem Konferenzkalender. Dieses Jahr war ich mit einem Vortrag und als Teil eines Panels im Programm vertreten.

In meinem Vortrag habe ich versucht, den Bogen von der – auch in Österreich im Zuge der Einführung einer Haushaltsabgabe gerade aktuellen – Rundfunkbeitragsdebatte hin zur Vergesellschaftungsdebatte zu spannen, indem ich öffentlich-rechtliche Medien als wichtiges Beispiel für vergesellschaftete Organisationsformen unserer Zeit in den Blick genommen habe (Slides als PDF-Download).

Außerdem war ich gemeinsam mit Sabrina Zajak, Akhil C S und Lisa Basten Teil eines Panels zum Thema “Global Supply Chains – Digital Tools Between Empowerment And Control” und habe dort vor allem über den problematischen Einsatz von Predictive Risk Analysis-Tools zur Überwachung und Steuerung von globalen Lieferketten gesprochen – das Thema eines von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Forschungsprojekts.

Neuer Buchbeitrag: »’Schöne neue Lieferkettenwelt’: Workers’ Voice und Arbeitsstandards in Zeiten algorithmischer Vorhersage«

Im Rahmen eines von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Forschungsprojekts zum Verhältnis von ‘Predictive Risk Intelligence’ und Interessenvertretung in Lieferketten ist jetzt ein von Lukas Daniel Klausner, Maximilian Heimstädt und mir verfasster Buchbeitrag mit dem Titel “‘Schöne neue Lieferkettenwelt’: Workers’ Voice und Arbeitsstandards in Zeiten algorithmischer Vorhersage” (PDF) erschienen:

Die Komplexität und zunehmend enge Kopplung vieler Lieferketten stellt eine große logistische Herausforderung für Leitunternehmen dar. Eine weitere Herausforderung besteht darin, dass Leitunternehmen — gedrängt durch Konsument:innen, eine kritische Öffentlichkeit und gesetzgeberische Maßnahmen wie die Lieferkettengesetze — stärker als bisher Verantwortung für Arbeitsstandards in ihren Zulieferbetrieben übernehmen müssen. In diesem Beitrag diskutieren wir einen neuen Ansatz, mit dem Leitunternehmen versuchen, diese Herausforderungen zu bearbeiten: die algorithmische Vorhersage von betriebswirtschaftlichen, aber auch ökologischen und sozialen Risiken. Wir beschreiben die technischen und kulturellen Bedingungen für algorithmische Vorhersage und erklären, wie diese — aus Perspektive von Leitunternehmen — bei der Bearbeitung beider Herausforderungen hilft. Anschließend entwickeln wir Szenarien, wie und mit welchen sozialen Konsequenzen algorithmische Vorhersage durch Leitunternehmen eingesetzt werden kann. Aus den Szenarien leiten wir Handlungsoptionen für verschiedene Stakeholder-Gruppen ab, die dabei helfen sollen, algorithmische Vorhersage im Sinne einer Verbesserung von Arbeitsstandards und Workers’ Voice weiterzuentwickeln.

Der Beitrag ist Teil eines von Thomas Haipeter und anderen herausgegebenen Sammelbands “Soziale Standards in globalen Lieferketten: Internationale Richtlinien, unternehmerische Verantwortung und die Stimme der Beschäftigten”, der bei Transcript als Open-Access-Volltext verfügbar ist.

Beiträge im Sammelband “Geben, Nehmen, Teilen: Gabenwirtschaft im Horizont der Digitalisierung”

“Open source, file-sharing, crowdfunding, liking – die Welt der digitalen Kommunikation ist voller Wirtschaftspraktiken, die dem Geben, Nehmen und Teilen näher sind als dem Verkaufen, Kaufen und Leihen.”

Mit diesem Satz beginnen Michael Hutter und Birger P. Priddat die Einleitung des von ihnen herausgegebenen Sammelbands “Geben, Nehmen, Teilen: Gabenwirtschaft im Horizont der Digitalisierung,” der im Anschluss an zwei Tagungen zum Thema im April 2021 und März 2022 erschienen ist und unter anderem Beiträge von Jasmin Schreyer oder Günther Ortmann enthält.

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Präsentation der Auftragsstudie “Innsbruck Aktiv gegen Teuerung”

Gemeinsam mit Innsbrucks Bürgermeister Georg Willi bei der Präsentation der Studie

Im Auftrag der Stadt Innsbruck habe ich gemeinsam mit meiner Mitarbeiterin Daria Schaller im Rahmen einer Machbarkeitsstudie untersucht, wie und in welchem Umfang es auch in Innsbruck möglich wäre, einen institutionellen Anker für Unterstützungsleistungen und Ermäßigungen für finanziell schwächere Bürger:innen bzw. Haushalte zu etablieren.

Die Einführung einer Innsbruck Aktiv Card nach Vorbild des Linzer Aktivpasses oder der Grazer Sozialcard würde es ermöglichen, zielgerichtet Menschen zu entlasten, die von der Teuerung besonders betroffen sind und gleichzeitig eine Möglichkeit für nachhaltige Angebote zur Stärkung gesellschaftlicher Teilhabe armutsgefährdeter Personengruppen jenseits von Mindestsicherungsbezieher:innen zu schaffen.

Die Studie ist im Volltext und unter freier Lizenz als PDF online zugänglich.

Weitere Berichte über die Studienpräsentation:

Interview in eco.nova zu “Organisierter Kreativität”

Marina Bernardi hat mit mir für die Monatszeitschrift eco.nova über Kreativität gesprochen und ich habe in dem Interview versucht, ein paar Einsichten aus dem Forschungsprojekt “Organized Creativity” rüberzubringen, wie die folgende:

“Manchmal ist es sinnvoll, bewusst Abteilungs- und hierarchische Grenzen zu überwinden und Räume für Austausch zu schaffen. Diese kreativitätsfördernden Maßnahmen können aber nur dann wirken, wenn es ansonsten klare Strukturen gibt. Würde man diese abschaffen, wäre man nicht kreativer, sondern eher verwirrter. Jeder Regel wohnt etwas Beschränkendes, aber auch Ermöglichendes inne. Zwischen diesen Polen gilt es zu tanzen.”

Zum PDF des Interviews geht es hier entlang, die ganze Ausgabe ist inzwischen frei online zugänglich.