Am 6. November 2025 fand in Berlin zum ersten Mal der #DigitalDemocracyDay2025 statt. Ich durfte mit einem kurzen Online-Impuls zum Thema “Von Wikipedia für Digitale Demokratie lernen” mit dabei sein (Slides). Bereits vorab hat Bernhard Seiler für SWR Aktuell Radio mit mir zum Thema gesprochen – das Interview findet sich hier zum Nachhören:
Das Ö1-Radiokolleg dreht sich diese Woche um das Thema “Unser Geld: Wie umgehen mit Schulden?”. In der zweiten Folge durfte ich vergleichsweise ausführlich über (unvermeidbare) Sozialisierung von Verlusten bei Insolvenzen sowie die verzögerte Wirkung von Leitzinserhöhungen für Unternehmenspleiten sprechen. Einer von mehreren O-Tönen:
“Es wird eine Zeit dauern, bis die bereits erfolgten Zinserhöhungen sich auch auswirken, weil die Unternehmen ja auch längere Laufzeiten bei ihren Krediten haben und das ganze erst dann schlagend wird, wenn der Kredit ausläuft und refinanziert werden muss, und dann auf einmal die höheren Zinskosten aber nicht unbedingt mit höheren Einnahmen korrespondieren. Das ist auch der Grund, warum man hier auch Kaskaden von Insolvenzen sehen könnte, zum Beispiel im Bereich der Immobilienwirtschaft. Warum? Wir erleben derzeit, dass im Handel, als Spätfolge von Corona, aber auch durch den allgemeinen Strukturwandel hin zum Online-Handel, diese enorm hohen Mieten, die im Bereich von guten Lagen verlangt werden, einfach für Handelsunternehmen nicht mehr refinanzierbar sind. Das bedeutet, wir sehen hier Pleiten von Handelsunternehmen oder auch nur einen Rückzug aus bestimmten Lagen, und das wird dazu führen, dass in den nächsten zwei, drei Jahren, Immobilienbesitzer vor dem Problem stehen werden, dass sie keine Nachmieter finden, die ihre Mieten in den gewünschten Höhen erzielen. Was aber dann wiederum bedeutet, dass die Mieten sinken. Und wenn die Mieten sinken, lässt sich die Bewertung von Immobilien nicht mehr aufrecht erhalten. Was bedeutet, meine Immobilie wird weniger wert. Der Kredit geht aber nicht weg, der verschwindet nicht. Und wenn ich diesen Immobilienkredit dann refinanzieren muss, meine Immobilie aber weniger wert ist, als zuvor, dann wird das nicht mehr funktionieren. Und dann führen quasi die Handelspleiten zu Beginn zu Immobilienpleiten im nächsten Schritt.”
In der jüngsten Folge der Reihe Dimensionen widmet sich Ö1-Journalistin Tanja Malle dem Thema (Hürden am Weg zu) Open Access in der Forschung. Aus der Beschreibung:
2017 machte Elsevier bei einem Umsatz von rund 2,8 Milliarden Euro eine Milliarde Gewinn. Weil Wissenschafter/innen und Forschende auf die Publikation in den renommierten Journalen angewiesen sind, bekommt Elsevier deren wissenschaftliche Papers de facto gratis. Da diese Forschung größtenteils vom Staat finanziert wird, macht Elsevier öffentlich finanziertes Wissen zu Geld. Gegen diese Politik regt sich nun zunehmend Widerstand. In Deutschland haben sich mehr als 200 Hochschulen, Forschungsinstitute und Bibliotheken zusammengeschlossen und bauen Druck auf, indem sie Elsevier-Abonnements auslaufen lassen. Sie fordern Open-Access-Lösungen
Ich durfte zu der Sendung auch einige O-Töne beisteuern und mich dabei unter anderem als bekennender Sci-Hub-Nutzer ohne diesbezüglich schlechtes Gewissen outen. Eine Woche lang ist die Sendung noch frei zum Nachhören online. (Leider sind ja auch die Radiosendungen von öffentlich-rechtlichen Rundfunkanbietern wie Ö1 nicht auch dauerhaft Open Access zugänglich 😉 ).
Lesesaal der Universitätsbibliothek der Universität Innsbruck (via)
Ein Bereich, in dem Fragen organisationaler Offenheit bereits seit längerem intensiv diskutiert werden, ist die Wissenschaft selbst: warum sind öffentlich-finanzierte und von großteils öffentlich-finanzierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern begutachtete Forschungsbeiträge nicht weltweit offen zugänglich?
Ein Ansatz, um größere Offenheit zu ermöglichen, sind kollektive Verträge zwischen Wissenschaftseinrichtungen und Wissenschaftsverlagen, die nicht nur den Zugang zu Zeitschriften sondern auch die Veröffentlichung von Beiträgen der AutorInnen ebendieser Einrichtungen umfassen. In Österreich gibt es beispielsweise eine derartige Vereinbarung zwischen dem Verlag SpringerNature und österreichischen Universitäten. In den Niederlanden gibt es noch weitreichendere Vereinbarungen mit allen großen Verlagen. Über die Verhandlungen auch in Deutschland zu einer umfassenden Open-Access-Vereinbarung zu kommen, habe ich kürzlich mit Deutschlandfunk Kultur gesprochen, das Interview (MP3) und Auszüge davon in Artikelform sind auch online verfügbar. Aus der Einleitung: Continue reading “Interview mit Deutschlandfunk Kultur zu »Deutschland vs. Elsevier«”→
Zukunft Forschung, das Magazin für Wissenschaft und Forschung der Universität Innsbruck, widmet sich in seiner neuesten Ausgabe dem Schwerpunktthema “Offenes Wissen”. Und weil sich auch bei digitalen Technologien Offenheit nicht von alleine einstellt, habe ich mit Melanie Bartos über das Thema “Offenheit organisieren” gesprochen (PDF des Interviews). Auszug daraus:
ZUKUNFT: Welche Perspektiven sehen Sie für diesen Weg hin zu mehr Öffnung? DOBUSCH: Um bei dem Beispiel mit Universitätsverlagen zu bleiben: Früher war die Rolle von Universitätsbibliotheken vor allem, ihren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern den Zugang zum Weltwissen zu organisieren. Vielleicht ist es jetzt umgekehrt: Die Bibliothek muss der Welt Zugang zum Wissen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ihrer Einrichtung ermöglichen. Da findet eine Redefinition von Rollen statt. Auch wenn die Organisation von Offenheit mit Aufwand verbunden ist, lohnt es sich auf jeden Fall: Gerade der offene Zugang zu Wissen ist gesamtgesellschaftlich von großem Wert. Meiner Ansicht nach geht es nicht mehr um die Frage, ob wir offen sein sollen, sondern wie wir diese Offenheit gestalten.