Neuer Artikel in Leviathan: “Strukturwandel der wissenschaftlichen Öffentlichkeit: Konstitution und Konsequenzen des Open-Access-Pfades”

Gemeinsam mit Maximilian Heimstädt durfte ich einen Beitrag zum brandneuen Leviathan-Sonderband “Ein neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit?” beisteuern. In unserem Beitrag analysieren wir “Konstitution und Konsequenzen des Open-Access-Pfades” als einen zentralen Prozess im “Strukturwandel der wissenschaftlichen Öffentlichkeit”.

Unsere zentrale These: Erst neue und teilweise illegale Akteure wie Schattenbibliotheken (z.B. Sci-Hub) und Preprint-Server haben es ermöglicht, die Pfadabhängigkeit des wissenschaftlichen Publikationsmarkts zu brechen und auf breiter Front (z.B. Projekt DEAL) Open-Access-Ansätzen zu forcieren. Nur weil Wissenschaftler:innen trotz der Kündigung von Rahmenverträgen mit #Elsevier & Co weiterhin einfachen Zugang zu wissenschaftlicher Literatur hatten, konnten Unis und andere Forschungseinrichtungen auch längerfristig so einen vertragslosen Zustand durchhalten.

Allerdings gehen mit aktueller Open-Access-Transformation auch problematische Nebenfolgen einher, die u.a. mit Warenform mancher Open-Access-Ansätze zusammenhängen:

  1. Hybrid-Open-Acess-Geschäftsmodelle mit einem teuren, im Fall von Double Dipping sogar noch teureren Nebeneinander von Abo- und Open-Access-Gebühren.
  2. Predatory Journals mit Fake-Begutachtungsverfahren, die Sciencewashing dienen können und überwiegend von marginalisierten Wissenschaftler:innen aus dem Globalen Süden bespielt werden.
  3. Matthäus-Effekte von Publish&Read-Verträgen wie u.a. auch bei Projekt DEAL, die mit Aufmerksamkeitsvorteilen für teilnehmende Forschungseinrichtungen (v.a. aus dem Globalen Norden) einhergehen, weil deren Beiträge offener zugänglich und damit häufiger zitiert werden.
  4. Auffindbarkeits- und Filterprobleme durch insgesamt wachsenden Publikationsoutput, der sowohl durch Predatory Journals als auch z.B. durch “Mirror Journals” etablierter Zeitschriften, die nur zur Abschöpfung von Open-Access-Gebühren gegründet werden.

Im Ergebnis formulieren wir die These, dass eine Adressierung dieser unerwünschten Nebenfolgen des Open-Access-Pfades der Aufbau gemeinwohlorientierter und gemeinnützig betriebener Publikationsinfrastrukturen für Scholar-led Publishing (vgl. z.B. Open Library of the Humanities) erfordert.

Vielen Dank an die Gastherausgeber Seven Sevignani & Martin Seeliger sowie die anonymen Gutachter:innen für viele wertvolle Hinweise. Alle verbleibenden Fehler sind alleine unsere. Den ganzen Band kann man bei Nomos bestellen, zur Preprint-Version unseres Beitrags geht es hier entlang: https://osf.io/preprints/socarxiv/fex49.

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